Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Putz,

wir, die Kreisgruppe Landshut des Bund Naturschutz, die Kreisgruppe Landshut des LBV und die Sektion Landshut des DAV, wenden uns an Sie, weil wir uns in Zeiten des massiven Artensterbens, des Flächenfraßes, des Klimawandels und der Energiewende für eine umwelt- und ressourcenschonende Baugebietsausweisung sowie für eine energieeffiziente und klimaschonende Bebauung in unserer Stadt Landshut einsetzen wollen. Letztlich geht es uns um eine lebenswerte Heimat möglichst im Einklang mit intakter Natur — wie Ihnen sicherlich auch!

Dabei ist uns sehr bewusst, dass die Stadt Landshut eine Boomregion ist mit einem prognostizierten Bevölkerungswachstum bis 2036 von etwa 13%.

Dennoch haben wir mit großer Verwunderung den Artikel vom 27./28. April 2019 in der Landshuter Zeitung gelesen mit der Überschrift „Häuser in Bestlage statt Naherholung? Wie Sie sicherlich wissen, geht es um eine angedachte Baugebietsausweisung zwischen Falkenstraße und Mitterweg im geplanten Landschaftsschutzgebiet „Rosental und Buchberg" am Birkenberg. Am Samstag, den 4. Mai fand dort eine Ortsbegehung statt, an der mehr als 100 nicht nur betroffene Anwohner teilnahmen. Dieses jüngste Beispiel zeigt eindeutig, dass den Bewohnern der Stadt Landshut eine intakte Natur ein großes Anliegen ist.

In und um die Stadt Landshut gibt es einige naturschutzrelevante wertvolle Flächen, die wir trotz des Zuzugs unbedingt erhalten sollten. Die Isarauen, die Isarhangleiten, das Tal Josaphat, das Salzdorfer Tal, die Hügellandschaft in Achdorf, der Klausenberg, Schutzwälder im Metzental, Rosental oder Buchberg, große Teile der Ochsenau oder in Schweinbach und viele andere Flächen mehr gehören dazu. Die aufgezeigten Gebiete sind für die Grünvernetzung, für den Erhalt der Biodiversität, für die Anpassung an den Klimawandel, als Erholungsgebiet und damit für die Lebensqualität der städtischen Bevölkerung von großer Bedeutung und daher unersetzlich.

Leider wird der Wert von Grundstücken jedoch allzu häufig fast ausschließlich nach dem Marktwert bemessen.

Wir wenden uns daher an Sie, verbunden mit der dringenden Bitte, dass die Stadt Landshut im Zuge des nicht enden wollenden Flächenfraßes, des massiven Artensterbens, in Zeiten der Energiewende und des Klimawandels sich erkennbar bzw. spürbar für eine intakte Natur und eine nachhaltige zukunftsfähige Stadtplanung einsetzt. Nicht nur die Landwirtschaft sollte ihren Beitrag für einen stabilen Naturhaushalt leisten, wir sind alle gefordert, unser Verhalten zu ändern. Auch Städte wie alle Kommunen sind in der Pflicht, artenreiche Lebensräume zu erhalten und zu entwickeln. Besonders eine große Kommune wie die Stadt Landshut hat hier Vorbildfunktion!

Unsere Forderungen an die Stadt Landshut lauten daher:

  • Eine Ausweisung von neuen Baugebieten sollte auf der Grundlage einer klaren Priorisierung vorgenommen werden: Dabei sollten artenreiche, naturschutzrelevante Flächen wie oben skizziert als letztes auf der Agenda stehen oder besser ganz von einer Bebauung freigehalten werden.
  • Für neue Baugebiete und Bebauungspläne hat flächensparendes Bauen oberste Priorität.
  • Änderungen im Flächennutzungsplan sollten möglichst gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Landshut sowie mit interessierten Verbänden abgestimmt werden.
Darüber hinaus fordern wir:
 
  • konsequente Bebauung der immer noch reichlich vorhandenen Baulücken in der Stadt,

  • den Abriss von ruinösen Gebäuden und Nutzung dieser Flächen für Neubauten,

  • ein Hinterfragen von denkmalgeschützten Gebäuden wie z.B. dem ehemaligen Gefängnis,

  • flächensparendes Bauen: Nachverdichtung bzw. Verdichtung bestehender Bebauung und/oder Erweiterung bestehender Bebauung, mehrgeschossiger Wohnungsbau, Bau von Tiefgaragen oder Bau von Parkplätzen auf bestehende Gebäude (z.B. eingeschossigen Märkten wie an der Grieserwiese), Überbauung von Supermärkten mit Wohnungen, Überbauung von Parkplätzen und dergl. mehr

Darüber hinaus sehen wir die Stadt Landshut auch in der Pflicht, umweltschonend, gesund und energieeffizient zu bauen. Wir favorisieren hier eindeutig den Baustoff Holz — kein anderer Baustoff schont unsere Umwelt mehr

Sie haben als Oberbürgermeister der Stadt Landshut jetzt die Möglichkeit zu zeigen, dass Sie die Zeichen der Zeit erkannt haben und Ihren Teil dazu beitragen, das Blatt zu wenden: Mehr Artenvielfalt statt Artensterben, mehr Lebensqualität statt weiterer Verlust von wertvollen Flächen und Lebensräumen für Mensch, Natur und Umwelt — Nehmen Sie daher bitte die Chance wahr! Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Landshut werden es Ihnen danken.

Die unterzeichnenden Verbände repräsentieren über 12.000 Mitglieder im Raum Landshut. Wir bitten Sie daher, unser Anliegen im Dienst einer nachhaltigen und zugleich zukunftsfähigen Entwicklung ernst zu nehmen und sind gerne bereit, in einem Gespräch unsere Vorstellungen zu erläutern.

Wir würden uns sehr freuen, von Ihnen ein positives Signal bei diesen für die Stadt Landshut bedeutsamen politischen Entscheidungen zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Kathy Mühlebach-Sturm - Kreisgruppe Landshut des BN

Christian Brummer - Kreisgruppe Landshut des LBV

Bernhard Tschochner - Sektion Landshut des DAV