Tourenbericht Kürsinger Hütte vom 17. bis zum 20. Mai 2012

Tourenleiter: Erich Ecker

Teilnehmer: Erich, Werner, Christian, Anton, Ludwig, Robert, Karl

Von Landshut und Dingolfing startete jeweils ein voll bepackter PKW mit insgesamt sieben "skitouren-narrischen" Niederbayern in Richtung Neukirchen am Großvenediger. Wir hatten mit Erich einen hervorragenden Lotsen, der gleich eine Abkürzung nach Traunstein parat hatte. So erreichten wir nach gut 3 Stunden Neukirchen am Großvenediger und kehrten gleich zur Stärkung im Gasthaus Siggen am Eingang des Obersulzbachtals ein (sehr zu empfehlen). Werner, Karl und Christian kamen staubedingt (Brunntaldreieck) etwas später an. Dann ging es gleich gemeinsam zum Parkplatz Hopfeldboden, wo auch schon das Tälertaxi wartete (12 € einfach). Kurz nach der Postalm war der bequemere Teil der Anreise vorbei, denn der umfangreiche Neuschnee des Vortags verhinderte eine Weiterfahrt bis zur Talstation der Materialseilbahn. Gut gestärkt und bestens gelaunt packten wir unsere Rucksäcke und starteten den schweißtreibenden Aufstieg zur Kürsinger Hütte (2.562m). Es wurde einen in der Mai-Sonne und mit dem schweren Rucksack ganz schön warm und so manche Bekleidungsschicht landete im Rucksack. Einsam war es auf der Hütte nicht – zusammen mit 120 anderen Skitourengehern freuten wir uns auf ein gutes Abendessen. Der freundliche Hüttenwirt war wohl von diesem Ansturm etwas überrascht und so dauerte es bis 21.00 Uhr bis wir alle von der sehr engagierten Hüttencrew mit einem sehr guten Abendessen versorgt waren.

Am nächsten Morgen starteten wir um 7.00 Uhr zum Aufstieg auf den Großvenediger (3.666 m). Auch hier waren wir nicht ganz alleine, sondern teilten uns die Aufstiegsspur mit einer langen Reihe Gleichgesinnter. Es wurde angeseilt und schon ging es flott voran. Die Sonne strahlte und alle dachten sich: Das wird eine tolle Sicht am Gipfel. Aber seine "Weltalte Majestät" (Ignaz von Kürsinger) zeigte uns ab der Venedigerscharte die kalte Schulter. Wolken, Nebel und starker Wind kamen plötzlich von Süden auf. Wir kämpften uns tapfer zum nebligen Gipfel durch. Erich lotste uns anschließend mit seinem GPS-Gerät wieder souverän zur Venedigerscharte zurück. Dort war die Sicht dann wieder besser und flott ging es bei wechselnden Schneeverhältnissen zur Hütte zurück. Dort wurden bereits weitere Matratzenreserven mobilisiert und anschließend in zwei Schichten gegessen.

Am nächsten Tag Stand das "Obersulzbacher Matterhorn", der Große Geiger (3.360 m) auf dem Programm. Zuerst fuhren wir 250 hm hinab ins das Tal des ehemaligen Obersulzbachkees. Anschließend ging es über schönes flaches bis mittelsteiles Skitourengelände zum Fuß des Westgrats des Geigers. Den Grat selbst erreichten wir über eine ca. 30 m hohe Wand. Werner ging voraus und befestigte ein Fixseil. So konnten wir alle per Prusiksicherung die etwas vereiste Wand rasch besteigen. Oben erwartete uns eine freudige Überraschung, denn aus dem Nebel tauchte plötzlich der "Landshuter DAV Chef" Bernhard Tschochner auf. So klein ist die Welt. Anschließend stiegen wir zum Skidepot auf und bewältigen die letzten Höhenmeter zum nebligen Gipfel zu Fuß mit den Ski am Rucksack. Auch der Geiger gönnte uns keine Fernsicht, sondern bereitete uns einen sehr stürmischen Empfang am Gipfel. Bei soviel Gastfreundschaft verabschiedeten wir uns rasch und fuhren über die Südflanke in Richtung Maurer Törl ab, das wir mit einem kurzen Gegenanstieg erreichten. Von dort ging es zügig zur Hütte zurück. Karls Skistock hatte während der Tour etwas gelitten – die Stockspitze samt Teller war abgebrochen. Hier erwies sich Ludwig "Wiggerl" Able als genialer Nothelfer. Aus seiner Rucksackwerkstatt zaubert er sämtliche erforderliche Utensilien und stellte nach getaner Arbeit fest: "Hält jetzt besser als das Original!".

Am Samstagnachmittag stellte sich dann plötzlich eine überraschende Abreisewelle von der Hütte ein. Ob es wohl am Finale der Champions-League (Bayern – Chelsea) am Samstagabend gelegen hat? Wir werden es nie erfahren.

Am nächsten Morgen meinte der Hüttenwirt bei der Frage nach dem Spielergebnis nur: "Ihr habt heute so einen schönen Tourentag vor Euch – ich möchte ihn Euch nicht vermasseln". Er sollte Recht behalten. Die Schlieferspitze, 3.289 m, unser abschließendes Tourenziel erwies sich als das Highlight der gesamten Tourentage. Über eine Rinne (Zitat von Erich: "Spitzkehrentango") gewannen wir rasch an Höhe. Über das östliche Sonntagskees ging es bei perfekter Fernsicht in Richtung Gipfel. Nach dem Skidepot und über Felsplatten erreichten wir den Schneegrat über den wir bei gutem Stapfschnee rasch den Gipfel, erreichten, der kaum Platz für unsere Gruppe bot. Die anschließende Abfahrt war vom feinsten, ein toller Hang vom Gipfel bis zur Materialseilbahn – was will man mehr. Die anschließende Bachüberquerung wurde auch noch erfolgreich bewältigt. Bei der Materialseilbahn wartete der Hüttenwirt bereits mit "liquiden Mitteln" in Flaschenform auf uns und verkürzte uns so die Wartezeit aufs Taxi auf angenehme Weise.
Vier tolle Tourentage waren vorbei – unser Dank gilt Erich Ecker für die hervorragende Führungsarbeit und die sehr gute Vorbereitung der Tour.