Eis-Grundkurs 21.-24.06.2019

Mit Steigeisen und Pickel übers Eis

Leiter: Erich Ecker

Teilnehmer:  Andrea, Benedikt, Annette, Andreas, Josef, Stefan und Bernhard.

 

Kaum noch zu ertragen war das lange Warten auf den Freitag, den 21.06.2019 aber nun war es so weit. Wir trafen uns am Morgen um 6:00 Uhr noch etwas mit verschlafenen Augen, aber dennoch voller Vorfreude auf die nächsten Tage. Ein paar Leute kannte man schon vom Infotreffen, bei dem noch Organisatorisches abgeklärt wurde. Den Rest lernte man schnell am Kletterzentrum und auf der Anfahrt ins schöne Valsertal kennen.

Ausgangspunkt des Aufstieges im Valsertal ist ein Parkplatz in der Nähe des legendären Gasthauses Touristenrast.

 

Von der Touristenrast aus wanderten wir gemütlich zur naheliegenden Materialseilbahn. Nachdem wir uns dort dem Gepäck entledigten ging es weiter in Richtung Geraer Hütte.

 

Der Weg dorthin führte uns an ein paar kleinen Almen vorbei und verlief anfangs entlang des Alpein-Bachs, der ruhig vor sich dahinplätscherte. Der sich aber offenbar rasend schnell in einen reißenden Strom verwandeln kann. Die riesigen Schuttberge, die angeschleppt wurden, belegen die Kraft des Wassers in den Alpen. Unterwegs bekamen wir sogar eine zischende Begrüßung von einer kleinen Baby-Kreuzotter.

Der Weg zur Geraer Hütte ist in einem fabelhaften Zustand. Langsam nähert man sich der Baumgrenze und der Ochsner- Alm. Hier sahen wir eine unglaublich lange Trockensteinmauer, die offenbar über vielen Generationen errichtet worden ist. Und zwar zum Schutz des Almviehs, das hier weidet, erzählte uns Erich, den wir beim Aufstieg gerne zuhörten wie er uns einiges über die Gegend und den umliegenden Bergen erzählte. Die umliegenden Berge türmen sich zu einer Art Mauer auf. Links beim Aufstieg Olperer und Fusstein, rechts Hohe Kirche, Hohe Warte, Sagwandspitze und Schrammacher, die ein Ensemble bilden. Man konnte Erich schon fast nicht mehr folgen beim eifrig aufzählen und deuten der Berge die uns die Aussicht versüßten.

Auf der Geraer Hütte angekommen wurden wir gleich von Hüttenwirt und Koch Arthur und seiner Frau Kathrin herzlich in Empfang genommen und begrüßt. Nach dem Beziehen der Schlaflager und einer kleinen Stärkung aus der Küche, machten wir uns auch schon eifrig auf, um in Hüttennähe die ersten Basics, wie das richtige Anseilen, aufteilen der Seillängen und Knoten zu üben.

 

Pünktlich zum Abendessen waren wir natürlich bereit für das gebuchte Halbpensionsessen das immer aus einer leckeren Vorspeise, Hauptgericht mit Fleisch und einer süßen Nachspeise bestand. Alternativ konnte man sich auch ein vegetarisches Menü auf den Tisch zaubern lassen, dass sich in unseren Fall der Erich vorbestellt hatte und am Abend sichtlich genoss. Respekt an den Koch Arthur, der immer regionale Spezialitäten verarbeitet und auf unsere Teller zauberte. Am nächsten Morgen ging es gleich mit einem ausgiebigen Frühstück weiter.

 

Ausgeschlafen und gestärkt ging es wieder los. Bei optimalen gefrorenen Schnee konnte man hervorragend die ersten Trittversuche mit Steigeisen und Pickel üben und anschließend nach dem wir einen geeigneten Hang zum Runterrutschen gefunden haben, die richtigen Bremstechniken beim Stürzen am Gletscher ausprobieren. Einigen in der Gruppe machte das recht viel Spaß. Für andere wiederum stellte das Stürzen nicht die Lieblingsübung dar. Mit der richtigen Anleitung schaffte es aber schließlich jeder, auf dem doch recht steilen Firnfeld zum Bremsen zu kommen.

 

Im Anschluss zeigte uns Erich einen Standplatz im Schnee zu errichten, eine Möglichkeit ist es den Pickel im Schnee zu vergraben um einen T-Anker zu bauen, dieser wird auch als „Toter Mann“ bezeichnet. Dabei wird ein quer zur Belastungsrichtung eingegrabener Eispickel als Zuganker verwendet, der tief genug eingegraben wird und auf den mittels Bandschlinge die Last übertragen wird. Neugierig sahen wir zu und testeten im Anschluss die Standfestigkeit im Zugversuch. Erich versprach uns eine Flasche Wein am Abend, falls wir es schaffen, den T-Anker im Zugversuch zu lösen. Aber daran war leider nicht zu denken. An unserer Motivation lag es nicht, aber der Erich machte seine Arbeit einfach zu gut und er hielt bombig.

Nun hatten wir uns eine Stärkung verdient und es ging zurück zur Hütte auf einen Kaffee und Kuchen.

Gestärkt brechen wir erneut auf zu unserer nächsten Lektion. In dieser Übung bereiteten wir alles vor zur ersten fiktiven Spaltenbergung, durch Anwendung einer losen Rolle und einen Flaschenzug zur Selbstrettung. Wir waren immer wieder überrascht was man mit ein paar Karabiner, Prusikschlingen, Bandschlingen und gekonnte Knoten alles machen kann. Fleißig übten wir die Techniken, sodass wir uns auch schon wieder die Abendstärkung in der Hütte redlich verdient haben. Auf ein paar gemütliche Zillertaler Weißbier Dunkel oder Wein gesellten wir uns noch zusammen, ehe es wieder in unsere Schlaflager ging.

Heute ist schon wieder Sonntag und wir sind auch schon wieder unterwegs und folgten Erich über Weiden, Felsen, Schnee und Firnfelder zu einen schönen geeigneten Platz bei dem wir unser erlerntes Wissen vom Vortag - das Setzen des T-Ankers - üben und uns austoben konnten. Eine anschließende Kontrolle per Zugversuch zeigte gleich, wer am Abend ein Fläschchen Rotwein ausgeben muss. Lediglich bei einem T-Anker gelang es uns, durch hochmotiviertes Ziehen am Seil, diesen zu lösen. Der Rest hielt unseren Anstrengungen gekonnt stand.

Da nach dem Berichtigen alle T-Anker perfekt saßen, übten wir das Auf und Absteigen am Fixseil durch das Prusiken am Seil.

Bevor wir wieder runter zu unserer Hütte gingen, haben wir beschlossen, die bereits vorhandenen Höhenmeter zu nutzen um zu dem ehemaligen Molybdänbergwerk, unterhalb der Alpeiner Scharte zu kommen. Wir waren schon ganz gespannt darauf was uns dort erwarten. Als wir dort angekommen sind, stellten wir jedoch fest, dass wegen den hohen Schneemaßen der Eingang völlig zugeschneit ist. Lediglich das Metallgerüst der ehemaligen Seilbahn, Grundmauern der Baracken und das verschneite Mundloch des Bergwerkes waren noch zu sehen.

Vor der Alpeiner Scharte stehend beschlossen wir auch hier noch hoch zu wandern. Durch den steilen Anstieg über Schnee und Schutt kamen auch die restlichen Kursteilnehmer ins Schwitzen, dies wurde aber auf der Scharte jedoch auch wieder belohnt, durch eine doch ganz gute Aussicht trotz des etwas düsteren Wetters und einer schönen gemütlichen Pause.

Wie auch schon Peter Habeler, auf den Hosenboden rutschend, meisterten wir den Abstieg von der Scharte gekonnt und ohne großen Probleme.

Nach der täglichen Kaffee- und Kuchenpause auf der Hütte begaben wir uns zum Geraer Winterlager, dort am Giebel hatte Erich auch schon wieder die nächste Übung vorbereitet.

An einem senkrechten Fixseil prusikten wir uns ein paar Meter nach oben und nach unten. Dies war ziemlich anstrengend, aber man kam dennoch sehr gut mit der Technik voran.

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen (leider unser letzter Tag) machten wir uns etwas früher auf den Weg. Unser Ziel war die Wildlahner Scharte am Olperer. Bei strahlendem Sonnenschein und besten Temperaturen machten wir uns auf den Weg und übten das erlernte aus den letzten Tagen. Unter anderem übten wir das Gehen mit Steigeisen und Pickel, das Aufteilen der Seilschaften, die Konten und das gehen in der Seilschaft. Serpentinen gehend, schlängelten wir uns zu der Scharte hoch. Oben angekommen waren wir, erstmals überrascht über die vielen Leute auf den Hintertuxer Skipisten die wir von der Scharte aus erblickten.

Nach einer kurzen Stärkung und Pause gingen wir zu einer Eiswand bei der uns Erich das richtige Setzen der Eisschraube mit Kräftedreieck zeigte. Nach dem auch jeder diese letzte Übung, die noch auf den Programm stand, mit Bravour gemeistert hat, mussten wir leider auch schon wieder den Rückweg zu unserer Geraer Hütte antreten. Dort wurden die restlichen Sachen in den Rucksack gepackt. Aber bevor es mit Sack und Pack zur Materialseilbahn ging haben wir uns vom Hüttenwirt/Koch Arthur noch ein kleines Essen und ein „Lieblings-„ Getränk (nach Wahl) zur Stärkung gegönnt. Der Rückweg zu unseren Fahrzeugen führte uns wieder vorbei an einer malerischen Landschaft.

Man hat an diesen vier sehr lehrreichen, schönen, entspannten, ruhigen Tagen wirklich sehr viel gelernt, gesehen und es hat viel Spaß gemacht. Daher ein ganz herzliches Dankeschön von uns allen an Erich für die schönen Tage.

Und an allen: Ich hoffe man sieht sich bald einmal wieder.

                      Bernhard