Tag 1: Anreise
Am 28. Juli 2026 machten wir – Andreas, Heiner, Karin, Phillip, Sarah, Manuel und Stefan – uns bereits um 5:30 Uhr von Landshut aus auf den Weg nach Vent, dem Ausgangspunkt unserer Venter Runde. Die Anreise verlief reibungslos, sodass wir pünktlich mit dem Aufstieg beginnen konnten.
Der erste Abschnitt unserer Tour erwies sich im Nachhinein als der ruhigste und unspektakulärste. Vorbei an der Martin-Busch-Hütte führte der Weg in angenehmer Steigung hinauf zu unserem Quartier für die nächsten beiden Nächte, der Similaunhütte auf Südtiroler Seite. Von der windigen Terrasse aus fiel unser Blick bereits auf das Ziel des kommenden Tages: den 3.606 Meter hohen Similaun.
Tag 2: Aufstieg auf den Similaun
Der zweite Tag begann vergleichsweise entspannt. Nach einem ausgiebigen Frühstück um 6:30 Uhr packten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg zum Similaun.
Zunächst führte der Anstieg über ausgedehnte Geröllfelder, bevor wir den letzten verbliebenen Gletscherrest erreichten. Dabei stellte sich mancher die berechtigte Frage, wie viel Eis uns auf den weiteren Etappen der Venter Runde überhaupt noch begegnen würde. Umso schöner war das Gefühl gegen 10:30 Uhr, gemeinsam den ersten Dreitausender der Tour erreicht zu haben.
Wie es sich für eine DAV-Tour gehört, wurde der Gipfelerfolg anschließend gebührend gefeiert – mit Kaffee, Kuchen und einem leckeren Apfelstrudel auf der Hütte. Während die einen, die wohlverdiente Freizeit für Asterix-Lektüre in Mundart oder Powernaps nutzten, wurde die andere Hälfte von Stefan mit nützlichem Seil und Sicherungswissen aufgefrischt. Gut gestärkt stand danach die Planung der nächsten Etappe auf dem Programm, bevor der Tag bei einem wohlverdienten Abendessen und den ersten spannenden Runden Punto und Memorie gemütlich ausklang.
Tag 3: Similaunhütte – Fineilspitze – Bella Vista
Von der Similaun-Hütte steigen wir über eine blockigen Rücken Richtung Fineil Spitze auf. Der Weg ist fast übermäßig mit Stahlseilen und Tritten ausgebaut – was an der Fundstelle des Eismanns „Ötzi“ liegt, die mit diesen Maßnahmen offensichtlich auch für weniger Bergerfahrene zugänglich gemacht werden soll. Die markierte Fundstelle erreichen wir nach einer knappen Stunde. 35 Jahre später ist der Gletscher hier lange verschwunden und nicht mal mehr in Sichtweite. Wir legen ein Rucksackdepot für den Rückweg an und machen uns an den Aufstieg zur Fineil Spitze. Zuerst über Schutt- und Blockgelände, weiter oben dann über den Rest des Gletschers erreichen wir den Grat, über den man in unterhaltsamer Kraxelei den Gipfel erklimmt. Nach kurzer Rast mit Blick auf das beeindruckende Ötztaler Gletscherpanorama steigen wir ab zum Rucksackdepot – und dann 100 Höhenmeter gleich wieder Richtung Gipfel auf, um über das Hauslabjoch den Hochjochferner zu erreichen. Wir umgehen und übersteigen zwei aus dem Gletscher herausgeaperte Felsriegel bis uns ein durch die Hitze stark wasserführender Gletscherabfluss den direkten, höhenlinienparallelen Weg zur Hütte Bella Vista versperrt. Wir folgen dem Wasser talwärts und kommen dann doch endlich mehr oder weniger trockenen Fußes auf die andere Seite. Weitere Abflüsse kosten weniger Zeit und Höhenmeter beim Überqueren, dennoch sind alle froh, die Hütte zu erreichen. Das direkte Umfeld wird dem Namen leider nicht gerecht – Skigebiete sind im Sommer mehr trostlos denn eine „Bella Vista“. Dafür bietet die „Hütte“ Annehmlichkeiten nahezu auf Hotelniveau – inklusive Sauna und 4-Gang-Abendessen.
Tag 4: Bella Vista – Hintereisferner – Hochjochhospiz
Der nächste Morgen beginnt mit einem lukullischen Frühstück. Die wichtigste Entscheidung hatten wir aber schon am Vorabend getroffen: Die Weißkugel machen wir nicht. Sie ist zu weit — wir müssen ja noch das Hochjochhospiz erreichen. Und wir wissen nicht, ob uns Blankeis am Hintereisjoch zu langwierigen Sicherungsmaßnahmen zwingen würde.
Der Kamm nördlich der Schönen Aussicht bietet an diesem sonnigen Morgen einen grandiosen Blick auf die Weißkugel. Was uns ebenso freut: Es gibt ihn noch, den Hintereisferner. Aber der Abstieg zum Gletscher ist länger und mühsamer geworden, die optimale Route ist nicht einfach zu erkennen. Das Betreten und Begehen des Ferners ist einfach, während die Gletscherzunge später ein paar Kraxeleien und Sprünge über Bäche erfordert. Das Gletschermaul ist spektakulär — aber das weit entfernte Schild, das den Gletscherstand von 1979 markiert, schockiert.
Kaum haben wir das Hochjochhospiz erreicht, holt uns ein Gewitter ein. Zeit, um Punto zu spielen. Oder Memory. Aber das ist doof, weil Phillip immer gewinnt.
Tag 5: Hochjochhospiz – Fluchtkogel – Vernagthütte
Am Samstagmorgen starteten wir am Hochjoch-Hospiz und folgten zunächst dem Deloretteweg in Richtung Kesselwandferner. Bei gutem Wetter führte der Weg stetig ansteigend durch die beeindruckende Landschaft der Ötztaler Alpen. Schon bald erreichten wir den Kesselwandferner, dessen gewaltige Eisflächen den hochalpinen Charakter der Tour eindrucksvoll unterstrichen. Über den Gletscher ging es weiter in Richtung Brandenburger Haus, Anfangs noch auf festem Eis später zunehmend in weichem Firn.
Noch bevor wir die Hütte erreichten, zweigten wir rechts zum Oberen Guslarjoch beziehungsweise Winterjöchl ab. Der Schlussanstieg zum Gipfel des Fluchtkogel mit seinen steilen Firn-und Eispassagen forderte nochmals Konzentration und Kondition. Vom Gipfel auf knapp 3.500Metern eröffnete sich ein beeindruckender Rundblick auf die vergletscherten Gipfel der Ötztaler Alpen, unter anderem Weißkugel und Wildspitze. Nach einer ausgiebigen Gipfelrast sowie Reparaturarbeiten an etwas in die Jahre gekommenen Steigeisen eines Teilnehmers begann der Abstieg über den Guslarferner zur Vernagthütte. Am Ende des Gletschers wartete dann nochmals wegloses Gelände, mit vielen losen Steinen, Sumpf und Schlamm, Ausrutscher und entsprechend schmutzige Kleidung waren fast nicht vermeidbar. Gott sei Dank zog sich der weitere Weg bis zu Hütte noch ein wenig und Wind und Sonne hatten Gelegenheit den Schlamm in trockenen Staub zu wandeln der sich dann leicht abklopfen ließ. Nach ca. 6,5 Std, 12 km und ca. 1.100 HM erreichten wir schließlich gerade rechtzeitig vor dem einsetzenden Regen die frisch umgebaute und renovierte Vernagthütte.
Tag 6: Vernagthütte über hinterer Brochkogel – Taschachferner – Vent
Am letzten Tag stand mit der Besteigung der Wildspitze ein ganz besonderes Highlight auf dem Plan. Nach einem lustigen Abend mit LKW-Memory und dem Fund einer E-Zigarette auf der Herrentoilette ging es dann ins Bett. Die Nacht auf der Vernagthütte glich einer Übernachtung in den Tropen und so sehnten wir alle schnell den nächsten Morgen herbei. Nach dem Frühstück trafen wir uns zum Sonnenaufgang vor der Hütte am Topf mit dem Edelweiß, an dem Tags zuvor die Ziegen noch fröhlich vor sich hin knabberten. Von den ersten Sonnenstrahlen geküsst und voller Motivation auf den Weg Richtung Norden zum Vernagtferner. Auf dem Weg zum Gletscher, wie sollte es anders sein, hüpften wir nochmal über einige Bachläufe und erreichten recht schnell das Eis. Die Sonne verbarg sich noch etwas hinter den steil aufragenden Felswänden im Osten. Wir zogen unsere Steigeisen an und gingen weiter, der Gletscher mal wieder aper. Das nächste Ziel war das Brochkogeljoch. Das ist der steile Übergang vom Vernagtferner zum Taschachferner, über den es dann um den hinteren Brochkogel zur Wildspitze gehen sollte. Sollte, weil wir uns auf dem Weg erstmal etwas verfranzten und etwas zu weit östlich vom Joch landeten. Unterhalb des Jochs machten wir eine erste Pause zur Stärkung und erkannten bereits, dass die Zeit durch unseren Umweg etwas fortgeschritten war. Immer noch ausreichend für den Gipfel, aber man weiß ja nie. Der Weg zum Joch behielt zwei Wege parat links herum, der vermeintlich stabilere Fels und rechtsherum über blockiges Gelände. Nach einem ersten Test links und Kopfgroßen Steinen die sich lösten, stellte sich schnell heraus, dass die Kraxelei rechtsherum, die bessere Alternative war. Oben am Joch angekommen, schweifte unser Blick über die Weite des weißen Taschachferner, in der Ferne die markante kugelförmige Bergstation am hinteren Brunnenkogel. Weiß, oh ja! Hier lag tatsächlich noch Schnee. Also seilten wir uns an und machten uns auf Richtung Wildspitze. Der Weg war beschwerlich. Der Schnee bereits weich von der Sonne und keine Spur in der wir laufen konnten. Meistens stand man Knie tief im Schnee, manchmal sogar bis zur Hüfte, während die Sonne weiter auf uns brannte. Nach und nach tat sich endlich ein Blick auf die Wildspitze auf. Ein schöner zackiger Grat tat sich vor uns auf und wir alle freuten uns bei dem Anblick. Naja fast alle. Auf Höhe des Mitterkarjochs sammelten wir uns nochmal und fragten in die Runde wie das allgemeine Wohlbefinden ist. Sollten wir noch auf den Gipfel gehen, würden wir ziemlich sicher die letzte Bahn ins Tal verpassen und müssten den gesamten Abstieg zu Fuß zurücklegen. Es stellte sich heraus, dass der erste anfing seine Körner zu verlieren und wir im Namen der Gruppe beschlossen den Gipfel Gipfel sein zu lassen. Eine schwierige Entscheidung, die bei dem ein oder anderen Enttäuschung hervorrief. Aber eine Entscheidung die uns noch zu Gute kommen sollte. Wir machten uns auf den Abstieg durch den Klettersteig. Als uns ein Bergsteiger in fragwürdiger Softair Ausrüstung mit kurzer Hose entgegenkam, wechselten wir alle fragende Blicke und fragten ihn, ob er weiß was er da mache. Unten am Ende des Klettersteigs angekommen, machte es der Übergang auf Eis und Geröll nochmal etwas spannend. Nachdem wir uns gesammelt hatten ging es über ein Geröllfeld welches sich teilweise auf Eis befand nach unten auf den Weg Richtung Breslauer Hütte. Stefans Uhr vibrierte… -NEIN!!!!!!!!!! – Was denn Stefan? – Ich hab mein Handy oben am Ausstieg liegen gelassen….! – Das musste wohl so sein, nach den ganzen „Umwegen“ im Laufe des Tages. Nachdem das Handy gesichert war, ging es endlich Richtung Tal. Am Wegrand lagen zwei Wanderer auf großen Felsbrocken in der Sonne und dösten vor sich hin. Der Weg zog sich, je weiter wir Richtung Breslauer Hütte kamen, desto dunkler wurde der Himmel. Und es wurde schnell dunkler, sehr schnell. Unser Schritt wurde zunehmend schneller und nach einer kurzen Klopause an der Hütte, nahmen wir unsere Beine in die Hände und liefen so zügig wie möglich zur Bergstation der Seilbahn die uns nach Vent bringen sollte. Der Wind wurde immer stärker und ein ordentliches Gewitter bahnte sich an. Der letzte Gegenanstieg zur Bergbahn war das Schlimmste. Der Wind begann uns den ersten Regen ins Gesicht zu peitschen. Wir brachten uns bei dem wild winkenden Liftwärter im Häuschen in Sicherheit, bis wir nach einiger Zeit endlich ins Tal abfahren konnten. Unten am Parkplatz angekommen waren wir uns einig, dass die Entscheidung nicht auf den Gipfel zu gehen die richtige war und es im Klettersteig lebensgefährlich worden wäre. Auf einer Durchquerung muss man sich den Gegebenheiten eben anpassen. So glich der Ausflug an der ein oder anderen Stelle einer Expedition auf der man sich seinen Weg suchen musste, was uns allen einen großen Spaß bereitet hat, vor allem durch die souveräne Führung von Stefan. Zurück blieb ein breites Grinsen im Gesicht mit dem wir uns auf den wohlverdienten Rückweg nach Landshut machten.f
Anmerkung der Verfasser:
Dieser Text wurde ausschließlich von uns allen verfasst und das ganz ohne Künstliche Intelligenz. Bitte seht es uns nach, wenn er vielleicht an der ein oder anderen Stelle nicht perfekt sein sollte 🙂



